Gedanken zur aktuellen EU

EU

Spätestens nach dem am letzten Donnerstag beschlossenen Brexit wissen wir, dass die Europäische Union ein Problem mit ihrem Selbstverständnis hat. Die Bürger sind unzufrieden und proben den Aufstand. Der Austritt von Grossbritannien aus der EU beschäftigt auch mich und ich habe mir folgende Gedanken zu den aktuellen Problemen der EU gemacht. Meiner Ansicht nach bestehen folgende Probleme:

  • Das Gefühl der Bedeutungs- und Machtlosigkeit des einzelnen.
  • Die wirtschaftliche Unsicherheit des einzelnen.
  • Die gefühlte Überfremdung und Verlust der Heimat.
  • Die gefühlte und effektive Ungleichheit zwischen mir da unten und denen da oben.
  • Das Tempo der Veränderung, das einzelne nicht mithalten können und wollen.

Damit sich die Bürger wieder stärker mit der Idee des gemeinsamen Europas identifizieren können sehe ich nachfolgende Ansatzpunkte. Diese Ansätze sind keinesfalls endgültig oder vollständig. Sie stellen mehr meine aktuelle Stimmungslage dar und können und sollen dauernd geprüft und überarbeitet werden:

  1. Die direkte Demokratie wird schrittweise eingeführt. Die Möglichkeit frühzeitig auch über Sachthemen abzustimmen verhindert, dass es zu einem Demokratiestau und Wutabstimmungen kommt.
  2. Direkte Demokratie benötigt eine Lern- und Übergangsphase. Bei lokalen Themen wird lokal abgestimmt.
  3. Die Definition des erfolgreichen Bürgers über den Arbeitslohn ist in der heutigen, extremen Form nicht mehr lange haltbar. Es braucht Alternativen und kombinierte Lösungen
  4. Ein bedingungsloses Grundeinkommen für die minimalsten Grundbedürfnisse verringert die Abhängigkeit von der Wertschöpfungskraft der jeweiligen Arbeit. Soziale Tätigkeiten werden gefördert.
  5. Das bedingungslose Grundeinkommen steht nur einheimischen Bürgern der EU zur Verfügung. Es kann in jedem EU-Land ausbezahlt werden. Der Integrationswille und der Wille zur Einbürgerung wird gefördert.
  6. Zulagen für Einkommensschwache werden als Sachleistung ausgerichtet. Damit werden konkrete Ziele wie Schulung, Integration, etc. verfolgt.
  7. Die EU hilft Flüchtlingen vor Ort. Das Problem wird dort gelöst, wo es entstanden ist. Der Druck, Probleme vor Ort erst gar nicht eskalieren zu lassen, wird grösser.
  8. Steuergerechtigkeit wird gefördert und eingefordert. Steuerfluchtmöglichkeiten werden konsequent verhindert. Geld ist ein wichtiger Gradmesser von Gerechtigkeit.
  9. Die Besteuerungsgrundlagen werden massiv vereinfacht. Abzugsmöglichkeiten werden reduziert. Die Bürger haben das Gefühl, dass alle nach ihren Möglichkeiten beitragen.
  10. Es gibt kein Grundrecht auf 100% Erbschaft. Wer in der Lotterie des Lebens Glück hatte, sollte nicht masslos werden.
  11. Die ordnende Hand des Marktes greift nicht überall. Die Lenkung durch Region, Staat, EU muss sichergestellt werden.
  12. Die EU ist nicht zuständig für das persönliche Glück Ihrer Bürger. Sie sichert aber allen die gleichen Startbedingungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten.
  13. Regionen bilden das Rückgrat und die Seele der EU. Es gibt eine klare Trennung zwischen regionalen und gesamteuropäischen Themen wie Aussenpolitik und Armee.

Was denkt Ihr darüber? Seid Ihr meiner Meinung oder denkt Ihr ganz anders? Ich würde mich über Kommentare freuen.

Wie kann Wissen im Projekt erarbeitet, gespeichert und weiter gegeben werden?

Affe2

Frage / Feststellung: Warum ist etwas wichtig, wozu dient es?

Wie kann Wissen im Projekt erarbeitet, gespeichert und weiter gegeben werden?

Beschreibung, Erklärung des Themas.

Wissen entwickelt sich immer mehr zur wichtigsten Unternehmensressource. Mit Wissensmanagement soll über firmeneigene Mitarbeiter oder externe Spezialisten ein relevanter Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen erarbeitet werden.  Wissen ist dabei immer subjektiv und in Bezug auf den einzelnen Know How-Träger und dessen persönlichen Hintergrund zu sehen.

In Projekten sind häufig Know How-Träger tätig. Das dabei erarbeitete Wissen muss dokumentiert und weiter gegeben werden. Wissen kann in unterschiedlichsten Formen (z.B. prozess-, produkt-, mitarbeiterbezogen) und in den unterschiedlichsten Bereichen (z.B. Projektvorgehen, erstellte Leistungen) erarbeitet werden. Wichtige Fragen sind dabei:

  • Wie kann erarbeitetes Wissen schnell und einfach zugänglich gemacht werden?
  • Wie kann Wissen vergrössert und verdichtet werden?
  • Wie kann implizites Wissen (nicht dokumentiertes Wissen) erfasst, gespeichert und weiter gegeben werden?
Massnahmen, wie machen, Anwendung.

Angehlehnt an das Lebenszyklusmodell des Enterprise Content Managements können bezüglich Wissensmanagement folgende Phasen im Projekt unterschieden werden:

Wissensbearbeitung Beispiel im Projekt
Erfassung in (organisatorisch) Best Practice, Unternehmens-Wiki, Projekthandbuch, FAQ’s (Frequently Asked Questions), Produktbeschreibungen
Verwaltung, Bewertung Verschlagwortung, Peer-Review und Bewertung, Inhaltsver-zeichnisse, Suchmaschinen und -Begriffe
Ausgabe, Verteilung, An-wendung Arbeitsgruppen, Reviews, schriftliche Unterlagen und Vorgaben, Datenbanken, elektronische Hilfedateien, Groupware und Marktplatz, Business Intelligence
Erarbeitung, Vertiefung Job Rotation, Peer Reviews und Audits, Gruppenarbeiten, Einzel- und Gruppenlernen, Betriebsbesuche und Erfahrungs-austausch, Seminare, möglichst verschiedene Projektteilnehmer
Speicherung, Bewahrung (technisch) Projektdatenbank, Content/Dokument Management System, Selbsterklärende Ordnerstruktur im Fileablagesystem, Wissens- und Produktdatenbank, Weitergabe von Wissen

 

Der Know How-Träger kann in folgenden Bereichen unterstützt werden:

  • Personelle Unterstützung – flexible Arbeitszeiten und –orte. Genügend Zeit für Wissensarbeit. Gute Know How-Träger werden gut entlöhnt. Die Arbeit macht Sinn und Spass.
  • Technische Unterstützung – angepasste Informations- und Kommunikationssysteme
  • Organisatorische Unterstützung – Der Wissensaustausch und -transfer wird von der Unternehmenskultur als positiv bewertet. Unterstützung der Kommunikation in Netzwerken und nicht mehr nur entlang der Hierarchie. Lernen on the job wird gefördert. Es gibt klare Ziele.
Konkretes Beispiel, Hinweis: Worauf ist besonders zu achten? Risiken. Hinweise aus der Praxis.

Nebst den Linienkarrieren sind auch Fachkarrieren zu fördern. Deren Ruf und Status wird oftmals als zweitrangig wahrgenommen. Mittels Karriereplanung und massgeschneiderten Förderungsmass-nahmen können vielversprechende Talente gehalten und als Leistungsträger aufgebaut werden.

Wie kann ich es auf mein Projekt zuschneiden; was ist unverzichtbar, wichtig? Was kann gekürzt werden? Wer macht es?

Wissen ist oftmals ausreichend vorhanden. Das Problem liegt eher darin, wie möglichst schnell und kostengünstig darauf zugegriffen werden kann. Im Projekt muss der Projektleiter daher vor allem dafür sorgen, dass die Projektmitglieder rechtzeitig mit dem notwendigen Wissen versorgt werden und dieses Wissen auch konsistent angewendet wird.

Vertiefung: Hinweis auf Dokumente, Suchbegriffe; Literaturhinweise

Wissensarbeit. Knowledge Worker. Wissensarbeiter. Enterprise Content Management. Implizites und explizites Wissen. Wissensmanagement. Know How-Träger

Wie sinnvoll ist der Einsatz von Checklisten beim Gleitschirmfliegen?

Gleitschirm

Gleitschirmfliegen und andere Sportarten mit potentiell tödlichem Risiko benötigen Hilfsmittel für eine möglichst einfache und trotzdem sichere Ausübung dieser Sportarten. Meist werden hierzu Checklisten verwendet. Im Folgenden findet eine kritische Würdigung dieser Hilfsmittel statt.

Checklisten beschreiben schrittweise einen bestimmten Ablauf und dienen der Systematisierung von Entscheidungsprozessen, indem sie relevante Prüfkriterien chronologisch aufführen. Der Einsatzzweck und die Vorteile von Checklisten beim Gleitschirmfliegen liegen klar auf der Hand:

  • Bei besonders wichtigen Abläufen, bei denen nichts vergessen werden darf (z.B. 5-Punkte-Check vor dem Gleitschirmstart).
  • Bei Abläufen mit präziser Reihenfolge (z.B. 3-Phasen-Start).
  • Bei Abläufen, die eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen (z.B. Wetterentwicklung und Auswahl Fluggebiet in der Woche vor dem Flug.
  • Bei Abläufen, bei denen wir wenig Erfahrung oder Vergleichsmöglichkeiten haben (z.B. Verschleisserscheinungen am Gurtzeug).

Checklisten sind ein erprobtes Mittel beim Gleitschirmfliegen, um den Kopf frei zu halten, Zeit zu sparen und das Notwendige strukturiert zu tun. Sie dienen der (Selbst-) Kontrolle und sind ein wichtiges Hilfsmittel des Risikomanagements.

Der unreflektierte Einsatz von Checklisten beim Gleitschirmfliegen beinhaltet aber auch Gefahren:

  • Sie können ein trügerisches Gefühl der Sicherheit geben. Wir haben ja alles getan, was auf der Liste steht. Dies kann zu einem Tunnelblick führen und man beobachtet Änderungen im Umfeld zu wenig (z.B. hat das Wetter am Startplatz in den Bergen plötzlich umgeschlagen).
  • Unvollständige oder falsche Checklisten können erhebliche Risiken beinhalten (z.B. haben wir die Startabbruchlinie in der Checkliste vergessen und riskieren anstelle eines kontrollierten Startabbruchs einen Fehlstart).
  • Ein entscheidungsrelevanter Faktor (Anforderung / Prüfpunkt) fehlt, lässt sich nicht exakt beschreiben und/oder bildet nur einen Teil der realen Situation ab (z.B. ist der Gleitschirmpilot nervös, weil eine grosse Zuschauermenge den Start beobachten).
  • Die Gewichtung und Summierung einzelner Faktoren ist nicht möglich (z.B. haben wir minimalen Rückenwind und müssten deshalb entsprechend beschleunigen. Wir sind aber abgelenkt, das Essen liegt schwer auf dem Magen, und wir haben einen neuen Gleitschirm).

Checklisten basieren auf Erfahrung und machen vor allem Sinn, wenn der zu prüfende Ist-Zustand in der Checkliste vorgesehen ist. Checklisten vereinfachen eine bekannte Situation, so dass auch ein weniger geübter Pilot die alles entscheidende Frage beantworten kann: Darf ich starten? Zudem müssen Checklisten kurz sein, damit sie sinnvoll (z.B. vor dem Start) eingesetzt werden können. Somit können nicht alle möglichen Risikofaktoren abgedeckt werden.

Dies führt mich zum Schluss, dass Checklisten das Risiko und somit die Unfallgefahr beim Gleitschirmfliegen sinnvoll senken können. Allerdings dürfen Checklisten nicht als exakte Arbeitsanweisung missverstanden werden. Sie sind lediglich eine Hilfestellung und ersetzen weder den gesunden Menschenverstand noch das Bauchgefühl und schon gar nicht dauerhaftes Üben.

Guten Flug!

 

Stichworte:
Ablauf, Arbeitsanweisung, Arbeitshilfsmittel, Bauchgefühl, Checkliste, Checklistenverfahren, Entscheidungsprozesse, Gewichtung, Gleitschirm, Gleitschirmfliegen, Hilfestellung, Ist-Zustand, Prozesse, Prüfkriterien, Prüfpunkt, Risiko, Risikofaktoren, Sicherheit, Situation, Strukturierung, Systematisierung, Unfallgefahr

Literaturverzeichnis und Links:

https://www.shv-fsvl.ch/fileadmin/redakteure/Allgemein/Sicherheit/141432_20-25_Sicherheit_SG-3.14.pdf

http://www.bitterli-consulting.ch/home/bitterli/files/Download/Referate/ISACA_AHS_Gleitschirm.pdf

http://www.paragliding-urnersee.ch/infosfuerpiloten/checkliste-streckenflug

http://www.x-dreamfly.ch/Der%20Drei-Phasen-Start.pdf

http://www.daec.de/fileadmin/user_upload/files/2012/fachbereiche/umwelt/ausbildung/LuN-4_Drachen-_und_Gleitschirmflug.pdf

http://www.euroflugschule.ch/wissen/praktik/checkliste.html

http://www.winmental.de/pdf/2013/GS-Checkliste%20Saisonstart.pdf

http://gleitschirmfliegen.de/sicherheit/gleitschirm-checkliste/

https://de.wikipedia.org/wiki/Fragenkatalog

http://buerojob-blog.de/2013/02/20/welche-informationen-kann-eine-gute-checkliste-geben/

http://buerojob-blog.de/2012/12/18/was-ist-eine-checkliste-wann-und-wofur-bietet-sie-sich-im-buero-an/

http://www.zeitblueten.com/news/checklisten-machen-das-leben-leichter/

http://selbst-management.biz/warum-du-unbedingt-mit-checklisten-arbeiten-solltest/

https://www.openpm.info/display/openPM/Checklisten

http://www.bernhardschloss.de/blog/?p=483

http://www.ntsb.gov/investigations/AccidentReports/Reports/AAR9202.pdf

Frey, Roger P. (2012): Streckenfliegen. [S.l.]: Frey, Roger P.

Kassera, Winfried (2003): Flug ohne Motor. [ein Lehrbuch für Segelflieger]. 16. Aufl. Stuttgart: Motorbuch-Verl.

Lötscher, Urs; Zeller, Thomas (2010): Gleitschirmfliegen. 9. Aufl. Affoltern a/A: Skycenter/Volair.

Bekannte und weniger bekannte Fähigkeiten erfolgreicher Projektleiter

Bücherrücken

Woran Projekte scheitern wird regelmässig und mit grossem Aufwand erhoben. Woran die Projektleiter selber scheitern, scheint seltsamerweise fast niemanden zu interessieren. Dabei ist der Projektleiter mit der richtigen Mischung von Fähigkeiten einer der Erfolgsfaktoren in jedem Projekt.

Das wichtigste ist, positive Rahmenbedingungen in Form von genügend Mitteln, stabilen Zielen, machbaren Terminen und mehr, für das Projekt zu erhalten. Dafür macht sich der Projektleiter zu Beginn des Projektes gerne unbeliebt. Der Erfolg wird ihm Recht geben.

Dies ist aber leider selten vollumfänglich möglich. Der Projektleiter ist meist mit dem Termin, dem Inhalt, dem Budget oder der Qualität im Clinch. Welche Faktoren können ihm helfen, das Projekt trotzdem zum Erfolg zu führen?

Er muss verschiedene Rollen wahrnehmen können:

  • Er muss etwas vom Projektinhalt verstehen. Dabei muss er, je grösser das Projekt ist, umso weniger der Spezialist sein. Dafür kann er sich fähige Mitarbeiter ins Projekt holen.
  • Er ist der Projektspezialist und kennt alle notwendigen Techniken, Methoden und Vorgehensweisen. Weiss er es einmal nicht, so kann er sich von externen Beratern helfen lassen. Dies vor allem wenn das Thema heikel ist.
  • Als Führungskraft kann er Mitarbeiter motivieren, Aufgaben optimal besetzen, hat Budget und Termine im Griff und schafft optimale Rahmenbedingungen. Notfalls kann er bis zum Auftraggeber eskalieren. Reserven hat er selbstverständlich auch eingebaut.
  • Als Unternehmer sieht er das grosse Ganze und führt das Projekt im Sinne und zum Wohl des ganzen Unternehmens. Deshalb ist er in ständigem Kontakt mit den wichtigsten Stakeholdern des Unternehmens und informiert diese regelmässig und frühzeitig.

Nebst Fähigkeiten wie Sozialkompetenz, Belastbarkeit, Umsetzungskompetenz und weiteren hat er weniger offensichtliche Fähigkeiten:

  • Er muss sich trotz aller Verbundenheit zum Projekt auch davon distanzieren können. Er benötigt eine gehörige Portion Pragmatismus, um auch unbequeme Entscheidungen fällen zu können.
  • Er muss neutral sein und vor allem sach- und nicht beziehungsorientiert handeln. Oftmals versuchen Stakeholder durch versteckte Agenden, ein Projekt für ihre Bedürfnisse zu instrumentalisieren. Diesen versteckten Machtspielen muss er gewachsen sein.
  • Als eine der schwierigsten Fähigkeiten muss er nein sagen können. Oftmals versucht der Projektleiter, das Unmögliche möglich zu machen, alle Anforderungen zu erfüllen und scheitert dabei grandios. Die Kunst besteht dabei darin, nein zu sagen und trotzdem möglichst wenig verbrannte Erde zu hinterlassen.
  • Er benötigt ein starkes Gespür für das Sinnvolle und Machbare sowie eine Spur Machiavelli. So wird er z.B. endlose Sitzungen mit wenig Inhalt kurz vor Feierabend ansetzen oder ewige Besserwisser mit «wichtigen» Aufgaben ruhigstellen.
  • Schlussendlich muss er auch egoistisch sein und sich abgrenzen können. Notfalls muss er die Projektleitung abgeben, wenn er die Vorgaben realistischerweise nicht erfüllen kann. Wenn er nachts nicht mehr schlafen kann, dann hilft das weder seiner Gesundheit noch dem Projekt.

Stichworte: Fähigkeiten, Pragmatismus, Abgrenzung, Sachbezug, beziehungsorientiert, Stakeholder, Anforderungen, Machiavelli, egoistisch, Rahmenbedingungen, Scheitern, Erfolgsfaktoren