René Descartes (1596 – 1650) und das Projektmanagement

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Seit Menschen grössere Vorhaben planen und durchführen geschieht dies mehr oder weniger strukturiert in einem projektartigen Vorgehen. Dabei kommen unterschiedliche Ansätze, Techniken, Prozesse, etc. zum Einsatz. Viele dieser Hilfsmittel sind neueren Ursprungs, das heisst aus dem 20. Jahrhundert. Wie aber wurden früher Projekte geplant und umgesetzt? Wie konnte z.B. der Bau des Schlosses Versailles ab ca. 1660, der Suezkanal von 1859 bis 1869 und der Bau des Eiffelturms 1887 bis 1889 durchgeführt werden?

Der französische Philosoph, Naturwissenschaftler und Mathematiker René Descartes (1596 – 1650) war Rationalist und versuchte mithilfe der Philosophie, absolute Gewissheit zu finden. Für ihn war rationales Denken die wichtigste Voraussetzung beim Erwerb von Wissen. Um seinen Gedanken eine sichere Grundlage zu geben, versuchte er alles auf unbezweifelbare Grundlagen zurückzuführen was in der Aussage gipfelte: «Ich denke, also bin ich».

Im Laufe seiner Arbeiten entwickelte er eine allgemeine analytische (philosophische) Methode zum richtigen Vernunftgebrauch und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung (Discours sur la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences). Sie besteht im Wesentlichen aus vier Schritten:

 

  1. Nichts als wahr annehmen, was ich so nicht selber sicher und einleuchtend erkennen kann. Es muss so einfach und klar sein, dass es nicht in Zweifel gezogen werden kann. Vorurteile vermeiden.
  2. Probleme in Teilschritte zerlegen, damit diese einfacher und besser bearbeitet werden können.
  3. Die einfachen Probleme zuerst lösen und sich stufenweise zu den komplizierteren vorarbeiten.
  4. Immer prüfen, ob Vollständigkeit erreicht ist und nichts auslassen.

 

Diese Gedanken haben eine grosse Ähnlichkeit mit heutigen Problemstellungen und Lösungsansätzen im Projektmanagement:

  • Mit Systemdenken (Komponenten, die miteinander durch Beziehungen verbunden sind) komplexe Systeme analysieren.
  • Mit der Problemanalyse (z.B. Ishikawa-Diagramm) die wahren Probleme erkennen.
  • Mit Vorgehensmodellen (z.B. Systems Engineering Modell) das Vorgehen planen.
  • Mit Konstruktion, das heisst induktivem Vorgehen vom Konkreten zum Abstrakten gelangen.
  • Mit Analyse (in Elemente zerlegen) und Synthese (zusammensetzen von Elementen in einem System) Prozesse analysieren und optimieren.

 

Zusammen mit einer gesunden Portion Skepsis hat die Methode von René Descartes nichts von ihrer Aktualität eingebüsst. Es ist zwar nicht erwiesen, dass frühere Projektleiter die philosophische Methode von René Descartes anwendeten, aber es war Wissen, das seit 1637 zur Verfügung stand.

 

Literaturhinweise:

Fischer, Kuno (Hg.) (1868): Geschichte der neueren Philosophie. Descartes und seine Schule. 2. völlig umgearbeitete Auflage. 8 Bände. Heidelberg: Verlagsbuchhandlung von Friedrich Bassermann (1).

Magee, Bryan; Leineweber, Bernd; Mischer, Sibille (2007): Geschichte der Philosophie. München: Dorling Kindersley.

Descartes, René (2004): Discours de la méthode. Discours de la méthode pour bien conduire sa raison, et chercher la vérité dans les sciences. The Project Gutenberg EBook (13846). Online verfügbar unter https://www.gutenberg.org/files/13846/13846-h/13846-h.htm, zuletzt aktualisiert am 14.08.2006, zuletzt geprüft am 28.12.2016.

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