Ludwig Wittgenstein – Sprache, Missverständnisse und das Projektmanagement

Ludwig_Wittgenstein

Sprachliche Missverständnisse sind auch bei gutem Willen oftmals nicht vermeidbar. Die Erfahrung zeigt, dass egal wie viel Mühe und Aufwand in eine eindeutige und verständliche Sprache gesteckt wird, immer Platz für Missverständnisse bleibt. Es stellt sich deshalb die Frage, ob und wie die Sprache und deren Anwendung überhaupt geeignet sind, solche Missverständnisse zu vermeiden.

 Der österreichische Philosoph und Mathematiker Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) versuchte in seinen Arbeiten aufzuzeigen, wie die Welt sprachlich beschrieben werden kann. Er wollte die Grenzen des für Menschen Beschreibbaren festlegen und den Zusammenhang zwischen Sprache und Wirklichkeit beschreiben. Er tat dies mit zwei verschiedenen Zugängen zur Sprache (Sprachphilosophien):

  • In seiner ersten Schaffensphase (früher Wittgenstein) beschrieb er in seinem Buch «Tractatus Logico-Philosophicus» (1922) die Philosophie der idealen Sprache. Der Grundgedanke ist, dass die Alltagssprache in vielerlei Hinsicht mangelhaft ist und bei bestimmten Anwendungsfällen durch eine formale Sprache verbessert oder gar ersetzt werden muss. So genügt die Alltagssprache z.B. den Ansprüchen der Logik oder der Informatik nicht. Der eigentliche Sinn eines Gedankens wird durch die verwendete Sprache «verkleidet» und führt zu Problemen und Missverständnissen. Die formale Sprache hingegen basiert auf Logik und Mathematik, ist klar verständlich und in sich konsistent.
  • Zwischen 1929 und seinem Tod 1951 erkannte Wittgenstein, dass er in seinem frühen Werk eine Aufgabe der Sprache herausgenommen und zu einer allgemeinen Theorie verallgemeinert hatte. In dieser Phase (später Wittgenstein) gelangte er zur Ansicht, dass die Sprache wie ein Werkzeug für verschiedene Aufgaben verwendbar sei. Nach seinem Tod erschien als zweites wichtiges Werk die Philosophischen Untersuchungen (1953). Diese befassen sich mit der Analyse der normalen bzw. natürlichen Sprache im Alltag. Diese Philosophie betrachtet die Alltagssprache nicht als defizitär, sondern als völlig brauchbar für die Verständigung im sozialen Umfeld. Wichtig ist dabei, dass die Bedeutung eines Wortes durch dessen Gebrauch im Alltag festgelegt wird. Missverständnisse ergeben sich vor allem dann, wenn Begriffe aus ihrem üblichen Kontext herausgenommen und in einem anderen Zusammenhang verwendet werden.

 Die gezielte Verwendung verschiedener Sprachphilosophien kann auch für die bessere Verständigung im Projektmanagement genutzt werden. Gründe, wann im Projektmanagement eher Ideale / Formale Sprachen verwendet werden sind:

  • Je spezifischer ein Thema ist (grosse Tiefe aber geringe Breite der Themen). Oftmals wurden für eine bestimmte Problemstellung eigene Sprachen entwickelt – z.B. Programmiersprachen
  •  Je wichtiger Nachvollziehbarkeit und Berechenbarkeit sind – z.B. Formeln in Berechnungen
  • Je klarer eine Anweisung sein muss – z.B. pharmazeutische Rezepturen

 Gründe wann eher Normale / Natürliche Sprachen verwendet werden:

  • Je wichtiger eine einfache Lesbarkeit ist – z.B. vereinfachte Sprache für Fremdsprachige
  • Je heterogener das Zielpublikum ist – z.B. Zielpublikum aus verschiedenen Bereichen
  • Je höher der Unterhaltungswert sein soll – z.B. Projekt-Zusammenfassungen
  • Je länger der Text und somit die Aufmerksamkeitsspanne des Lesers sein muss

 Um die Art der Sprache zu bestimmen, können folgende Hinweise nützlich sein:

  •  Zielpublikum abklären – z.B. Erwartungshaltung, kulturelle Zugehörigkeit
  • Verwendungszweck abklären – Branche, Einsatzzweck
  • Vorgeschichte abklären – z.B. bisherige Gepflogenheiten, Probleme
  • Zeit- und Kostenbudget abklären – z.B. Beizug von externen Spezialisten

 Eine Sprache alleine ist nicht immer ausreichend für eine erfolgreiche Verständigung. Deshalb kann es sinnvoll sein:

  • Mehrere Sprachen gleichzeitig verwenden, um verschiedene Zugänge zum Thema zu bieten.
  • Zusätzlich zum eigentlichen Inhalt ergänzende Beschreibungen liefern, die das Thema weiter eingrenzen. Ein Glossar oder Anwendungsbeispiele können hier z.B. weiterhelfen.
  • Die Lesbarkeit von Texten mit grafischen Strukturen wie Einrückungen, Aufzählungszeichen, etc. zu erhöhen.
  • Neben der Sprache weitere Zeichensysteme wie Pläne, Noten, grafische Symbole, etc. verwenden.

 

Ludwig Wittgenstein: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.

 

 Literaturhinweise und Stichwörter:

Analytische Philosophie, Logischer Empirismus Positivismus), Ideale Sprache, Alltagssprache, Begriffsschrift von Gottlob Frege, Bertrand Russel, der Wiener Kreis, Sprechakttheorie, Sprachphilosophie, Semiotik, Zeichensysteme

 Lehmann, Christian (2013): Formale Sprachen. Universität Erfurt. Online verfügbar unter https://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?https://www.christianlehmann.eu/ling/elements/formale_sprachen.html, zuletzt aktualisiert am 11.09.2013, zuletzt geprüft am 18.05.2018.

Magee, Bryan; Leineweber, Bernd; Mischer, Sibille (2007): Geschichte der Philosophie. München: Dorling Kindersley.

Wikipedia Autoren (2018): Sprachphilosophie. Hg. v. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sprachphilosophie&oldid=176889425, zuletzt aktualisiert am 26.04.2018, zuletzt geprüft am 18.05.2018.

Wittgenstein, Ludwig (1922): Tractatus Logico-Philosophicus. With an Introduction by BERTRAND RUSSELL, F.R.S. London: KEGAN PAUL, TRENCH, TRUBNER & CO., LTD.

Wittgenstein, Ludwig (1999): Philosophische Untersuchungen. 1953; S. 231 – 485. Werkausgabe. Frankfurt am Main: Suhrkamp (1).

Überzeugen im Projekt durch Logik

MasterMind1

Überzeugende Argumente sind überall wichtig. Durch die Auswahl der richtigen Inhalte und Dank einer gekonnten Präsentation werden Entscheide im Sinne des Vortragenden beeinflusst. Aristoteles als Begründer der Logik untersuchte bereits vor über 2300 Jahren die Strukturen zwingender Argumente, welche er Syllogismen nannte. Ein Beispiel für einen Syllogismus ist:

Syllogismus

Argumente sind auch in Mathematik und Philosophie wichtig. Hier bildet die Logik die Grundlage, um Argumente inhaltlich zu begründen. Als Beispiel für ein Argument im Projektmanagement kann die Problemlösung gelten. Sie gleicht in ihrer Erstellung den Argumenten aus der Mathematik und Philosophie. In beiden Fällen geht es darum, möglichst zwingend mittels Logik von der Analyse zur Problemlösung oder eben von den Prämissen zur Konklusion zu gelangen.

Das grundsätzliche Vorgehen zur Erstellung von Argumenten und Problemlösungen sieht wie folgt aus:

Logik_Problemlösung

Vereinfacht können folgende Schritte unterschieden werden:

Argument – Logik Problemlösung – Projekt
Als erstes werden Prämissen aufgestellt. Dies sind Fakten, die in einem Argument als Beweis für die gewünschte Konklusion verwendet werden. Es sind Fakten, die der andere kennt und mit denen er einverstanden ist. Die Analyse zeigt auf, wie die aktuelle Ist-Situation entstanden ist und was sie beinhaltet. In der Zielbeschreibung wird die Soll-Situation definiert.  Die Differenz zwischen Ist und Soll stellt das Problem dar. Es geht um die Darstellung von Fakten und quantifizierten Zielen.
Mit welcher Strategie führen die Prämissen zur Konklusion? Soll deduktiv von einer allgemeinen Aussage auf einen besonderen Schluss gefolgert werden oder induktiv von vielen besonderen Aussagen auf eine allgemeine Aussage? Wird eher rational, emotional oder moralisch argumentiert? Welche Varianten sind denkbar, um das Ziel zu erreichen? Welche Kombinationen und Verbesserungen sind möglich? Wie hoch ist der Erfüllungsgrad der einzelnen Varianten und wie sind diese zu bewerten?
Die Konklusion folgt zwingend aus den Prämissen. Es ist der durch die Prämissen bewiesene Punkt. Haupt- und Nebenprämissen sind in der Konklusion vorhanden. Die ausgewählte Problemlösung folgt aus der Analyse und Zielsetzung. Das heisst, die Lösung deckt die gemachten Erkenntnisse optimal ab und berücksichtigt die gestellten Ziele.
Erscheint die Konklusion nicht zwingend, so muss geprüft werden, ob es noch versteckte Prämissen oder Annahmen gibt.  Überträgt sich die Wahrheit, wenn die Prämissen wahr sind, auch auf die Konklusion? Gibt es zwischen Prämissen und Konklusion allenfalls gar keinen oder einen ungenügenden Zusammenhang? Ist die Lösung in der gegebenen Situation mach- und durchsetzbar? Ist sie im Gegensatz zur reinen Logik nicht nur zwingend (formal) richtig, sondern auch inhaltlich wahr oder schlüssig?

Argumente sind nach Form und Inhalt zu unterscheiden. In der Logik wird in erster Linie geprüft, ob Argumente korrekt, also gültig geschlussfolgert sind.  Auch wenn die Prämissen nicht wahr sind, kann eine Schlussfolgerung gültig sein. Diese Folgerung ist dann aber nicht schlüssig.

Logik_Baum

Die Logik hilft, die Korrektheit von Argumenten zu prüfen. Sie ist eine Kunst, die gute von schlechten Argumenten unterscheidet.

Quellen:

Bräuer: Poppers Falsifikationismus. Einführung in die theoretische Philosophie. Technische Universität Dresden. Online verfügbar unter https://tu-dresden.de/gsw/phil/iphil/theor/ressourcen/dateien/braeuer/lehre/theophil_3/WT2-SS-2006.pdf?lang=de, zuletzt geprüft am 17.02.2018.

Hoyningen-Huene, Paul (2015): Formale Logik. Eine philosophische Einführung. [Nachdr.]. Stuttgart: Reclam (9692).

wikiHow Autoren (2018): Syllogismen verstehen. Hg. v. wikiHow. Online verfügbar unter https://de.wikihow.com/Syllogismen-verstehen, zuletzt aktualisiert am 17.02.2018, zuletzt geprüft am 17.02.2018.

Wikipedia Autoren (2017UTC): Analyse (Philosophie). Hg. v. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Analyse_(Philosophie)&oldid=163142180, zuletzt aktualisiert am 01.03.2017UTC, zuletzt geprüft am 22.10.2017.

Wikipedia Autoren (2018): Rhetorik. Hg. v. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rhetorik&oldid=172505763, zuletzt aktualisiert am 02.01.2018, zuletzt geprüft am 16.02.2018.

Wikipedia Autoren (2018): Argument. Hg. v. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Argument&oldid=172839449, zuletzt aktualisiert am 12.01.2018, zuletzt geprüft am 16.02.2018.

Wilholt, Torsten (2014): Logik und Argumentation. Materialien zu einführenden Vorlesungen über formale Logik und Argumentationstheorie. Leibnitz Universität Hannover. Hannover. Online verfügbar unter https://www.philos.uni-hannover.de/fileadmin/institut_fuer_philosophie/Personen/Wilholt/Logik.pdf, zuletzt aktualisiert am 2014.

Zegarelli, Mark; Gutknecht, Jan (2016): Logik für Dummies. Sonderausgabe. Weinheim: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA.

Bertrand Russell und das Projektmanagement

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Viele Projekte erreichen die vorgegebenen Ziele und Rahmenbedingungen nicht oder nur teilweise. Häufig scheitern Projekte an fehlenden oder unklar formulierten Anforderungen. Zudem kann es passieren, dass Sender und Empfänger von Anforderungen jeweils etwas anderes verstehen als ursprünglich gemeint war.  Gesucht wird ein System, wie klar formulierte Anforderungen, die von allen gleich verstanden werden, erstellt, bearbeitet und gepflegt werden können.  

Der englische Mathematiker, Logiker und Philosoph Bertrand Russell (1872 – 1970) analysierte mittels Logik die normale Umgangssprache und stellte fest, dass zwei Aussagen eine identische grammatische Form aber unterschiedliche logische Bedeutungen haben können. Diese Arbeiten starteten die Entwicklung der analytischen Philosophie, welche die Analyse von Sätzen und deren logischen Implikationen beinhaltet. Ziel ist es zu verstehen, was wir eigentlich sagen, wenn wir etwas Bestimmtes sagen. Dazu werden formale Sprachen (Zeichensysteme wie z.B. in der Mathematik) oder auch die Umgangssprache verwendet.  

Die analytische Philosophie wird im Projektmanagement in einer angepassten Form in der Anforderungsanalyse eingesetzt. Diese Analyse beinhaltet verschiedene Aufgaben im Zusammenhang mit den Anforderungen, die an eine bestimmte Lösung gestellt werden. Dies sind zum Beispiel:

  • Anforderungen ermitteln
  • Anforderungen natürlichsprachig und modellbasiert dokumentieren
  • Anforderungen prüfen und abstimmen
  • Anforderungen verwalten

 Wichtig sind dabei folgende Punkte:

  • Formale und sprachliche Analyse der erhobenen und dokumentierten Anforderungen
  • Die Überprüfbarkeit (Verifikation) der Anforderungen. Die Falsifikation wird zwar ebenfalls verwendet, aber eher in geringerem Umfang
  • Die Art der Überprüfung (Methoden) und die dadurch erzeugte Messbarkeit
  • Die Wahrheit und Falschheit der überprüften Anforderungen beziehungsweise der Vergleich zwischen Anforderung und Lieferobjekt
  • Die Eindeutigkeit der formulierten Anforderungen

Bertrand Russell war es wichtig, dass wir die Natur der ausser uns bestehenden Wirklichkeit verstehen. Die Anforderungsanalyse leistet dazu einen wertvollen Beitrag im Projektwesen.

  

Literaturhinweise:

Autoren der Professur: Methoden der Psychologie (2016): Logischer Positivismus (Wiener Kreis). Technische Universität Dresden. Online verfügbar unter http://versuch.file2.wcms.tu-dresden.de/w/index.php/Logischer_Positivismus_(Wiener_Kreis), zuletzt aktualisiert am 15.10.2016, zuletzt geprüft am 23.10.2017.

Hoyningen-Huene, Paul (2015): Formale Logik. Eine philosophische Einführung. [Nachdr.]. Stuttgart: Reclam (9692).

Magee, Bryan; Leineweber, Bernd; Mischer, Sibille (2007): Geschichte der Philosophie. München: Dorling Kindersley.

Pohl, Klaus; Rupp, Chris (2009): Basiswissen requirements engineering. Aus- und Weiterbildung zum Certified Professional for Requirements Engineering ; Foundation-Level nach IREB-Standard. 1. Aufl. Heidelberg: Dpunkt-Verl.

Rupp, Chris (2009): Requirements-Engineering und -Management. Professionelle, iterative Anforderungsanalyse für die Praxis. 5. Aufl. München, Wien: Hanser.

Wikipedia Autoren (2017UTC): Analyse (Philosophie). Hg. v. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Analyse_(Philosophie)&oldid=163142180, zuletzt aktualisiert am 01.03.2017UTC, zuletzt geprüft am 22.10.2017.

Wikipedia Autoren (2017): Analytische Philosophie. Hg. v. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Analytische_Philosophie&oldid=170199739, zuletzt aktualisiert am 21.10.2017, zuletzt geprüft am 22.10.2017.

Zegarelli, Mark; Gutknecht, Jan (2016): Logik für Dummies. Sonderausgabe. Weinheim: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA.

John Dewey und das Projektmanagement

JohnDewey

Das Vorgehen in Projektform hilft Menschen in den verschiedensten Tätigkeitsbereichen. Es ist daher nur folgerichtig, dass das Projektvorgehen irgendwann auch beim Lernen Einzug hielt. Erstmals wurde projektähnliches Lernen in Kunstakademien in Italien im 16. Jahrhundert und Frankreich im 18. Jahrhundert in den Lehrplan aufgenommen. Dabei ging es allerdings nicht darum, wie modernes Projektmanagement funktioniert, sondern wie der Unterricht sinnvoll gestaltet werden kann. Ziel war das Lernen durch Tun oder das Lernen am Projekt. So wurden z.B. französische Architekturstudenten aufgefordert, mittels eines Projekts Gebäude selbständig, kooperativ und originell zu entwerfen.  

Ein wichtiger Vertreter dieser Entwicklung des Lernens in Projektform war der Philosoph und Pädagoge John Dewey (1859 – 1952). Als Pragmatiker war ihm die Praxis stets mindestens genauso wichtig wie die Theorie. Jedes Wissen war für ihn in erster Linie menschliche Tätigkeit – Learning by Doing. Für die Erarbeitung von Wissen hielt er folgenden Ablauf für sinnvoll:

  • Ein authentisches Problem angemessen beschreiben
  • Einen geeigneten Lösungsansatz entwerfen
  • Simulieren oder logisches Probieren der Lösung
  • Experimentelles Überprüfen der Lösung und bei Nichtgefallen den ganzen Prozess nochmals durchlaufen

Dieses Vorgehen findet auch heute noch im Problemlösungsprozess seinen Niederschlag:

  • Situations-Analyse und Ursachen-Suche
  • Zielformulierung
  • Lösungssuche (Synthese und Analyse)
  • Bewertung und Entscheidungs-Findung
  • Planung und Umsetzung
  • Erfolgskontrolle

Die Arbeit muss laut dem Pragmatisten Dewey zielgerichtet und planvoll ablaufen. Sie muss einen Lösungsbeitrag zum Problem leisten. Dabei ist Projektarbeit zutiefst sozial und demokratisch. Dies unter anderem auch, weil Zusammenarbeit und eine aufbauende Kritik essentiell für ein gutes Ergebnis sind.

 

Literaturhinweise:

Dewey, John (1938): Logic. The Theory of Enquiry. New York: HENRY HOLT AND COMPANY, INC.

 Freie Universität Berlin (2003): Handbuch zum Projektunterricht. Seminar „Projektunterricht“ von Prof. Dr. Jörg Ramseger (2). Online verfügbar unter http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/abp/projekte_publikationen/projekte_handbuch.html, zuletzt geprüft am 18.08.2017.

Frey, Karl; Schäfer, Ulrich (2010): Die Projektmethode. „der Weg zum bildenden Tun“. 11. Aufl. Weinheim [u.a.]: Beltz. 

Knoll, Michael: John Dewey’a pädagogischer Reformimpuls. „problem based learning“. Online verfügbar unter http://www.mi-knoll.de/163301.html, zuletzt geprüft am 18.08.2017. 

Magee, Bryan; Leineweber, Bernd; Mischer, Sibille (2007): Geschichte der Philosophie. München: Dorling Kindersley. 

Büchel, Alfred; Becker, Mario; Daenzer, Walter F.; Haberfellner, Reinhard; Huber, F.; Massow, Heinrich von; Nagel, Peter (1994): Systems engineering. Methodik und Praxis. 8. Aufl. Zürich: Verl. Industrielle Organisation.

Georg W. F. Hegel und das Projektmanagement

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Unternehmen bewegen sich in einem Umfeld, das nicht statisch ist sondern sich kontinuierlich weiterentwickelt. Durch diesen geschichtlichen Entwicklungsprozess entstehen immer wieder neue Anforderungen und daraus wiederum Anpassungsbedarf für die Unternehmen. Diese Anpassungen werden, wenn sie nicht zu umfangreich sind, über das normale Tagesgeschäft abgewickelt. Grössere Anpassungen werden hingegen meist über Projekte realisiert.  

Nach jedem erfolgreichen Projekt übernimmt dann wieder das Tagesgeschäft. Dies geht so lange gut, wie wieder mit einem neuen Projekt auf geänderte Anforderungen reagiert werden muss. Aus einiger Distanz betrachtet kann die geschichtliche Entwicklung eines erfolgreichen Unternehmens somit auch als Abfolge von verschiedenen Projekten gesehen werden. Es ist daher wichtig, geschichtliche Entwicklungsprozesse und somit Veränderungen zu verstehen, um bestmöglich darauf reagieren zu können. 

Der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831) als wichtiger Vertreter des deutschen Idealismus steuert einige interessante Gedanken zum Thema Veränderung bei:

  1. Die Wirklichkeit ist ein fortschreitender Geschichtsprozess der nur zu verstehen ist, wenn man fragt, wie die Wirklichkeit zu dem wurde, was sie geworden ist.
  2. Der Ablauf dieses Geschichtsprozesses besitzt eine rationale Struktur und gehorcht einem eigenen Gesetz. Der Schlüssel zum Verständnis dieses Gesetzes ist die Dialektik mit dem Dreischritt: These, Antithese, Synthese.
  3. Dieses Gesetz ist solange wirksam wie es Entfremdung gibt. Sie sorgt dafür, dass jede Synthese aufgrund ihrer inneren Widersprüche zum nächsten Dreischritt führt.

 Für das Projektmanagement ergeben sich folgende Hinweise. 

Der fortschreitende Geschichtsprozess:

  • Die Analyse, warum ein Projekt erfolglos abgebrochenen wurde, kann wichtige Hinweise für einen Neustart dieses Projektes geben. Das Gegenteil ist ebenfalls wichtig, also herauszufinden, warum etwas in der Vergangenheit Erfolg hatte.
  • Jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur. Die Kenntnis der Entwicklung dieser Kultur und deren aktueller Zustand kann mithelfen, die am besten geeignete Projektvorgehensweise für die beteiligten Mitarbeiter auszuwählen.
  • Die Instrumente und Methoden des Projektmanagements befinden sich in einer ständigen Weiterentwicklung. Dies führt dazu, dass sich die Anforderungen an die Projektmitarbeiter ändern, was auch einen Einfluss auf die Arbeitsweise der Projektgruppen und deren Zusammensetzung hat.  

Die Dialektik als Methode

  • Lösungen gewinnen durch eine sachliche Kritik oder eine Überprüfung an Wert. Dabei wird als These die ursprüngliche Lösung verwendet. Die Antithese ist der Gegenvorschlag, der in verschiedenen Bereichen von der ursprünglichen Lösung abweicht. Die Synthese kombiniert das Beste aus beiden Lösungen.
  • Unternehmensstrategien und -strukturen müssen sich dauernd geänderten Rahmenbedingungen anpassen. Dies geschieht mittels des Change Managements. Die aktuelle Situation als Ausgangslage bildet die These. Zusammen mit den Mitarbeitern werden Zielvorstellungen definiert, die Antithese. Diese Zielvorstellungen werden auf Machbarkeit und Umsetzbarkeit geprüft und bilden nach der Einführung die Synthese, also die neue Strategie und die Strukturen. Interessanterweise findet das Change Management ebenfalls in einem Dreischritt «Unfreezing, Moving, Refreezing» statt. 

Die Entfremdung als Triebfeder der Veränderung

  • Durch das Stakeholdermanagement soll den Anforderungen der verschiedenen Anspruchsgruppen in geeigneter Form Rechnung getragen werden. Entscheidend ist jedoch nicht nur, was erwünscht ist, sondern ausdrücklich auch das, was nicht erwünscht ist. Das Nicht-Erwünschte steht im Widerspruch zu den Anforderungen und ist Triebfeder für weitere Veränderungen wie z.B. unmittelbar anschliessende Folgeprojekte.
  • Eine Lösung mag in der Vergangenheit einen grossen Anklang gefunden haben. In der Zwischenzeit wurden jedoch Widersprüche sichtbar und die Lösung passt nicht mehr in die aktuelle Umwelt. Es besteht der Wunsch nach Anpassung.
  • Mitarbeiter sind wichtige Treiber in einem Projekt. Mitarbeiter wollen informiert sein, mitbestimmen dürfen, involviert sein. Ist dies nicht der Fall, entfremden sich die Mitarbeiter vom Projekt, es entsteht Widerstand und das Verlangen nach Änderung. 

Oftmals werden die Gedanken von Philosophen als nette Ideen ohne grossen Einfluss auf die Realität abgetan. Karl Marx als geistiger Vater des Sozialismus und Kommunismus hat als Schüler Hegel’s aufgezeigt, wie machtvoll Ideen sein können, wenn diese in der wirklichen Welt umgesetzt werden.

 

Literaturhinweise:

Magee, Bryan; Leineweber, Bernd; Mischer, Sibille (2007): Geschichte der Philosophie. München: Dorling Kindersley.

Baggini, Julian; Balog, Kati; Garvey, James; Loewer, Barry; Stangroom, Jeremy (2015): Philosophie in 30 Sekunden. Die wichtigsten Strömungen und Begriffe aus der Geschichte der Weltanschauungen. Kerkdriel: Librero IBP.

Focus Online: Friedrich Hegel. „Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit.“. Online verfügbar unter http://www.focus.de/wissen/mensch/philosophie/philosophie/friedrich-hegel_aid_6041.html, zuletzt geprüft am 25.06.2017.

Springer Gabler Verlag (Hg.): Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Entfremdung. Online verfügbar unter http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/9626/entfremdung-v7.html, zuletzt geprüft am 25.06.2017.

vagapedia Autoren: Entfremdung. Online verfügbar unter https://vagapedia.wikispaces.com/Entfremdung, zuletzt geprüft am 25.06.2017.

Wikipedia Autoren (2017): Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Hg. v. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel&oldid=165812891, zuletzt aktualisiert am 25.05.2017, zuletzt geprüft am 25.06.2017.

 

Stichworte:

Deutscher Idealismus, Philosophie, Dialektik, These, Antithese, Synthese, Logik, Hegelianismus, Karl Marx, Entfremdung, Wirklichkeit, Geschichtsprozess, Heraklit

Karl Popper und das Projektmanagement

KarlPopper

Projekte sind meist teuer, risikoreich und bringen Unruhe in die Stammorganisation. Es ist deshalb nur verständlich, dass intensiv nach Theorien (Methoden und Hilfsmittel) gesucht wird, die die Wahrscheinlichkeit eines Projektabbruchs oder Scheiterns reduzieren. Dabei wird meist den etablierten Theorien (Best Practice) den Vorzug gegeben. Doch helfen diese wirklich immer weiter? Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass sich Projekte im Wesentlichen durch die Einmaligkeit ihrer Bedingungen in ihrer Gesamtheit (DIN 69901) charakterisieren? 

Karl Raimund Popper (1902 – 1994), ein österreichisch-britischer Philosoph hat hierzu im Bereich der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie einige interessante Ideen entwickelt. Ausgangspunkt ist seine Aussage, dass sich die Wahrheit einer wissenschaftlichen Theorie niemals beweisen lässt. Man kann von einer kleineren Anzahl von Beispielen nicht auf die Gesamtheit aller Elemente schliessen (Induktion). Es braucht nur ein einziges Gegenbeispiel und schon wird eine allgemeingültige Theorie widerlegt. So braucht es z.B. nur einen einzigen schwarzen Schwan (Australien) und schon hat die Aussage: «Alle Schwäne sind weiss» keine Gültigkeit mehr. Allgemeine Aussagen lassen sich nach ihm überprüfen, indem man nach Gegenbeispielen (falsifizieren) sucht.  

Daraus ergeben sich für das Projektmanagement wertvolle Hinweise:

  • Eine Best Practice (Erfahrungswissen) führt nicht immer zur richtigen Vorgehensweise oder Ergebnis. Was einmal richtig war, muss beim nächsten Mal nicht auch zwingend richtig sein.
  • Beim Aufstellen von Lösungskonzepten sind diese kritisch zu hinterfragen. Je öfters geprüft wird, desto eher ergibt sich eine gute Lösung.
  • Eine Projektkultur der konstruktiven Kritik ist nicht störend, sondern im Gegenteil sinnvoll und notwendig und verbessert das Resultat.
  • Besteht keine Best Practice oder macht diese keinen Sinn, so kann selber eine aufgestellt werden. Diese ist gründlich und mehrfach zu prüfen (falsifizieren).
  • Lässt sich eine Projektvorgabe nicht überprüfen (falsifizieren) gibt es auch keine ausreichende Begründung für diese Vorgabe.

Hinterfragen und konstruktive Kritik sind wichtige Elemente in jedem Projekt. Sie müssen jedoch zum richtigen Zeitpunkt in einem sinnvollen Rahmen erfolgen. 

Laut Karl Popper ist Gewissheit in der Wissenschaft nicht zu haben. Deshalb ist es nie gerechtfertigt, nur einen Standpunkt gelten zu lassen. Dies gilt in angepasster Form auch für die Projektwelt.

 

Literaturhinweise:

DIN 69901-5:2009-01; Projektmanagement – Projektmanagementsysteme – Teil 5: Begriffe

Wikipedia Autoren (2017): Karl Popper. Hg. v. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl_Popper&oldid=164567055, zuletzt aktualisiert am 14.04.2017, zuletzt geprüft am 06.05.2017.

Popper, Karl R.; Keuth, Herbert (2005): Gesammelte Werke in deutscher Sprache. 11. Aufl. Tübingen: Mohr Siebeck.

Magee, Bryan; Leineweber, Bernd; Mischer, Sibille (2007): Geschichte der Philosophie. München: Dorling Kindersley.

Niccolò Machiavelli und das Projektmanagement

Niccolo_Machiavelli

Seit Menschen grössere Vorhaben planen und durchführen geschieht dies mehr oder weniger strukturiert in einem projektartigen Vorgehen. Dabei spielen die machtpolitischen Rahmenbedingungen in und um die Projekte herum und wie damit umgegangen werden soll eine wichtige Rolle beim Erfolg oder Misserfolg von Projekten.

Ansätze wie Stakeholder oder Change Management sind neueren Ursprungs, das heisst aus dem 20. Jahrhundert. Wie aber wurden früher ähnliche Probleme gemeistert? Wie konnte sich z.B. Columbus 1492 als Genuese in Spanien gegen massiven Widerstand und unter immensen Kosten aufmachen, die neue Welt zu entdecken und wie konnte sich Bramante ab 1503 trotz Neider und Konkurrenten wie Michelangelo die Planung des damals weltgrössten Kirchenbaus, des Petersdoms, sichern?

Der florentinische Staatsbeamte, Schriftsteller, Chronist, Dichter und Philosoph Niccolò Machiavelli (1469 – 1527) ist vor allem bekannt für seine damals völlig neue Sichtweise der Politik, die sachlich aufzeigt, was tatsächlich ist und nicht was aus moralischer Sicht sein sollte. Er schrieb hierzu zwei bedeutende Bücher «Der Fürst» und «Discorsi». Bekannter und leider oft missverstanden ist «Der Fürst», welcher ein Ratgeber für bestimmte politische Konstellationen und Politiker in bestimmten (Not-) Situationen ist. Er konzentriert sich dabei auf neu erworbene Alleinherrschaften und wie diese stabilisiert werden können.

Nebst konkreten Handlungsanweisungen für bestimmte Situationen schuf Machiavelli auch allgemeine Hinweise für ein erfolgsversprechendes Verhalten als Politiker oder wie diese Verhaltensweisen beurteilt werden sollen:

  • Virtù
    Die Fähigkeit, in schwierigen Zeiten mit allen geeigneten Mitteln, in selbständiger Einschätzung der Lage und in äusserster Entschlossenheit seine eigene Politik durchzusetzen.
  • Qualità dei tempi
    Das richtige Verhalten berücksichtigt die aktuellen Zeitumstände. Nicht immer führen erfolgreiche Rezepte aus der Vergangenheit in einem veränderten Umfeld zum Erfolg.
  • Occasione
    Günstige Gelegenheiten soll man nutzen. Wenn man eine Gelegenheit aber verpasst hat, so soll man ihr nicht hinterherlaufen.
  • Fortuna
    Befindet man sich in einer unüberschaubaren Situation und muss eine weitreichende Entscheidung treffen – man ist sich also nicht sicher, ob dies eine günstige Gelegenheit oder eine Falle ist – so ist es besser draufgängerisch als bedächtig zu sein.

Die 1531 posthum erschienenen Bücher «Discorsi» und 1532 «Il Principe» (geschrieben 1513) können für den Projektleiter in zweierlei Hinsicht nützlich sein. Einerseits ist ersichtlich, was Mitarbeiter in einem Projekt zu tun imstande sind, um sich gegen den Wandel zu wehren. Dies vor allem auch dann, wenn ihre angestammten «Königreiche» und bisherigen sicher geglaubten Routinen gefährdet sind. Andererseits werden dem Projektleiter wertvolle Hinweise gegeben, wie mit solchen Situationen umgegangen werden kann. Den wichtigsten Hinweis gibt Machiavelli gleich selber indem er festhält, dass durch kluge und vorausschauende Politik verhindert werden soll, dass man überhaupt in Notlagen kommt.

Literaturhinweise:

Machiavelli, Niccolò; Zorn, Rudolf (2007): Discorsi. Gedanken über Politik und Staatsführung. Unter Mitarbeit von Rudolf Zorn. 3. Aufl. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag (Kröners Taschenausgabe, 377).

Machiavelli, Nicolo (2016): Der Fürst (Il Principe). Unter Mitarbeit von Rudolf Zorn. 7. Aufl. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag (Kröners Taschenausgabe, 235).

Magee, Bryan; Leineweber, Bernd; Mischer, Sibille (2007): Geschichte der Philosophie. München: Dorling Kindersley.

Wikipedia Autoren (2017): Niccolò Machiavelli. Hg. v. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Niccol%C3%B2_Machiavelli&oldid=163755509, zuletzt aktualisiert am 20.03.2017, zuletzt geprüft am 13.04.2017.

Leicht, Robert (2013): Die Mechanik der Macht. 500 Jahre „Der Fürst“. In: DIE ZEIT (3). Online verfügbar unter http://www.zeit.de/2013/03/Machiavelli-Principe-Fuerst-500-Jahre/komplettansicht, zuletzt geprüft am 14.04.2017.

John Locke (1632 – 1704) und das Projektmanagement

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Seit Menschen grössere Vorhaben planen und durchführen geschieht dies mehr oder weniger strukturiert in einem projektartigen Vorgehen. Dabei kommen unterschiedliche Ansätze, Techniken, Prozesse, etc. zum Einsatz. Viele dieser Hilfsmittel sind neueren Ursprungs, das heisst aus dem 20. Jahrhundert. Wie aber wurden früher Projekte geplant und umgesetzt? Wie konnte Blaise Pascal 1642 die mechanische Rechenmaschine entwickeln und wie wurde der erste fahrplanmässige Pferdeomnibusverkehr in 1662 in Paris ins Leben gerufen?

Der englische Philosoph, Schriftsteller und Staatsmann John Locke (1632–1704) war ein Vordenker der Aufklärung, Begründer des Liberalismus und zusammen mit Isaac Newton und David Hume einer der Wegbereiter des britischen Empirismus. Er beeinflusste die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, die Verfassung des revolutionären Frankreichs und vieler weiterer liberaler Staaten.

Eine seiner wichtigsten Aussagen zum menschlichen Verstand besagt, dass alle Ideen in der Erfahrung begründet sind. Die Kraft und Art, mit welcher diese Erfahrungen Ideen in uns hervorrufen, bezeichnete er als Qualitäten. Es gibt primäre Qualitäten, welche wie Gewicht, Länge, etc. physische Eigenschaften darstellen und unabhängig vom Beobachter existieren. Eigenschaften wie Farben, Töne, Geschmack etc., die aus der Wechselwirkung zwischen dem Objekt und dem Beobachter entstehen bezeichnete er als sekundäre Qualitäten. Diese enthalten ein subjektives Element und können sich von Beobachter zu Beobachter unterscheiden.

Im heutigen Projektmanagement gibt es ebenfalls primäre und sekundäre Qualitäten. Primäre Qualitäten können mit harten Faktoren, die zweifelsfrei erhoben und meist wenig Anlass zu Diskussionen geben, verglichen werden. Sie lassen sich in betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ausdrücken.

Sekundäre Qualitäten sind mit weichen Faktoren zu vergleichen, die je nach Beobachter verschieden erfasst und interpretiert werden können. Dazu gehören gemeinsame Werte, Fähigkeiten, Verhalten und Handlungsweisen. Diese Aspekte sind für die Zusammenarbeit im Projektteam aber auch für Widerstand, Unterstützung, Motivation wichtig.

Dieses Modell der harten und weichen Faktoren, das auf das 7-S-Modell von Tom Peters zurückgeht ist die moderne Variante der Gedanken von Locke und hilft mit, objektiv und nicht objektiv quantifizierbare Grössen im Projekt besser zu verstehen und steuern zu können. Erstmalig erschien dieses Modell der menschlichen Wahrnehmung 1690 in London.

 

Literaturhinweise:

  • An Essay Concerning Human Understanding, 1690
  • Euchner, Walter (2004): John Locke zur Einführung. 2. Aufl. Hamburg: Junius (300).
  • Locke, John (2015): An Essay Concerning Human Understanding. Hg. v. ebooks@adelaide. The University of Adelaide Library. Online verfügbar unter ttps://ebooks.adelaide.edu.au/l/locke/john/l81u/, zuletzt aktualisiert am 14.07.2015, zuletzt geprüft am 23.02.2017.
  • Lies, Jan. Harte und weiche Faktoren. Hg. v. Springer Gabler Verlag (Gabler Wirtschaftslexikon). Online verfügbar unter http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/569792/harte-und-weiche-faktoren-v8.html, zuletzt aktualisiert am unbekannt, zuletzt geprüft am 23.02.2017
  • Huber, Andreas (2009): Projektführung. Ein systemisch-kommunikativer Ansatz. 1. Aufl. Zürich: vdf Hochschulvlg.

Francis Bacon (1561 – 1626) und das Projektmanagement

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Seit Menschen komplexere Vorhaben planen und durchführen geschieht dies mehr oder weniger strukturiert in einem projektartigen Vorgehen. Dabei kommen unterschiedliche Vorgehensweisen und Hilfsmittel zum Einsatz. Viele dieser Vorgehensweisen und Hilfsmittel sind neueren Ursprungs, das heisst aus dem 20. Jahrhundert. Wie aber wurden früher Projekte geplant und wie wurde Wissen erarbeitet? Wie entwickelte zum Beispiel Hans Lipperhey das Fernrohr (1608) und wie entdeckte Isaac Newton die Gesetze der Schwerkraft (1687)?

Der englische Philosoph, Staatsmann und Wissenschaftler Francis Bacon (1561 – 1626) war ein grosser Förderer der Wissenschaften und der geistige Pate der 1662 gegründeten Royal Society of London for the Improvement of Natural Knowledge. Er entwickelte eine wissenschaftliche Methode, die dem kritischen und wissenschaftlichen Denken (Empirismus) massgeblich zum Durchbruch verhalf. Von ihm stammt auch der Ausspruche „Wissen ist Macht“.

Seine Methode zielt vor allem auf das Verständnis der Natur ab. Stark vereinfacht sind folgende Schritte wichtig:

  • Wir fragen uns: Was wollen wir wissen oder was ist das Ziel?
  • Wir beobachten, experimentieren, sammeln Daten und halten alles fest.
  • Wenn wir genügend Daten gesammelt haben, formulieren wir allgemeine Regeln.
  • Danach überprüfen wir diese allgemeinen Regeln durch neue Experimente und Beobachtungen. Wichtig ist, dass wir unvoreingenommen sind und keine Gegenbeispiele übersehen oder absichtlich weglassen, welche unsere eben erstellten Regeln verletzen könnten.
  • Am Schluss prüfen wir, ob wir unsere Fragen beantwortet und das Ziel erreicht haben.

Bei der Darstellung seiner wissenschaftlichen Methode warnt Bacon vor bestimmten, unser Denken fehlleitenden Einflüssen wie täuschende Sinneseindrücke und Gefühle, vorschnelle Interpretationen, falsche Ideologien und irreführende Wortwahl.

Die Methode von Francis Bacon finden wir in ähnlicher Form auch im heutigen Projektmanagement wieder:

  • In der Projektvereinbarung beschreiben wir das Ziel und formulieren die wichtigsten Fragen zum Inhalt.
  • In der Projektplanung legen wir fest, welche Methoden wir verwenden, welche Informationen wir benötigen und wie wir das Ziel erreichen wollen.
  • Während der Projektdurchführung (Bau, Entwicklung, etc.) führen wir die definierten Schritte durch und sammeln deren Ergebnisse (erfolgreich abgeschlossene Meilensteine). Wir erstellen ein Werk und fügen einzelne Elemente zu einem Ganzen zusammen.
  • Bei Tests und Abnahmen prüfen wir, ob das erstellte Werk reibungslos funktioniert oder ob Fehler bestehen, die wiederum Anpassungen am Werk verlangen.
  • Beim Projektabschluss kontrollieren wir die Zielerreichung und beantworten Fragen zum Inhalt.

Die Methodenlehre der Wissenschaften von Francis Bacon wurde 1620 veröffentlicht. Sie könnte also auch im damaligen Projektmanagement verwendet worden sein.

Bacon, Francis (1902): Novum Organum. Hg. v. Joseph Devey. P. F. Collier & Son. New York. Online verfügbar unter http://oll.libertyfund.org/titles/bacon-novum-organum, zuletzt geprüft am 12.01.2017.

Magee, Bryan; Leineweber, Bernd; Mischer, Sibille (2007): Geschichte der Philosophie. München: Dorling Kindersley.

Mastin, Luke (ohne Datum): Sir Francis Bacon (The Basic of Philosophy). Online verfügbar unter http://www.philosophybasics.com/philosophers_bacon_francis.html, zuletzt aktualisiert am ohne Datum, zuletzt geprüft am 14.01.2017.

Riffert, Franz (2004): Die Wissenschaftliche Methode. Online verfügbar unter http://psp.eduhi.at/dr.chodura/PH/WT.pdf, zuletzt aktualisiert am ohne Datum, zuletzt geprüft am 14.01.2017.

Wikipedia Autoren (2016): Francis Bacon. Hg. v. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Francis_Bacon&oldid=156665215, zuletzt aktualisiert am 02.08.2016, zuletzt geprüft am 14.01.2017.

René Descartes (1596 – 1650) und das Projektmanagement

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Seit Menschen grössere Vorhaben planen und durchführen geschieht dies mehr oder weniger strukturiert in einem projektartigen Vorgehen. Dabei kommen unterschiedliche Ansätze, Techniken, Prozesse, etc. zum Einsatz. Viele dieser Hilfsmittel sind neueren Ursprungs, das heisst aus dem 20. Jahrhundert. Wie aber wurden früher Projekte geplant und umgesetzt? Wie konnte z.B. der Bau des Schlosses Versailles ab ca. 1660, der Suezkanal von 1859 bis 1869 und der Bau des Eiffelturms 1887 bis 1889 durchgeführt werden?

Der französische Philosoph, Naturwissenschaftler und Mathematiker René Descartes (1596 – 1650) war Rationalist und versuchte mithilfe der Philosophie, absolute Gewissheit zu finden. Für ihn war rationales Denken die wichtigste Voraussetzung beim Erwerb von Wissen. Um seinen Gedanken eine sichere Grundlage zu geben, versuchte er alles auf unbezweifelbare Grundlagen zurückzuführen was in der Aussage gipfelte: «Ich denke, also bin ich».

Im Laufe seiner Arbeiten entwickelte er eine allgemeine analytische (philosophische) Methode zum richtigen Vernunftgebrauch und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung (Discours sur la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences). Sie besteht im Wesentlichen aus vier Schritten:

 

  1. Nichts als wahr annehmen, was ich so nicht selber sicher und einleuchtend erkennen kann. Es muss so einfach und klar sein, dass es nicht in Zweifel gezogen werden kann. Vorurteile vermeiden.
  2. Probleme in Teilschritte zerlegen, damit diese einfacher und besser bearbeitet werden können.
  3. Die einfachen Probleme zuerst lösen und sich stufenweise zu den komplizierteren vorarbeiten.
  4. Immer prüfen, ob Vollständigkeit erreicht ist und nichts auslassen.

 

Diese Gedanken haben eine grosse Ähnlichkeit mit heutigen Problemstellungen und Lösungsansätzen im Projektmanagement:

  • Mit Systemdenken (Komponenten, die miteinander durch Beziehungen verbunden sind) komplexe Systeme analysieren.
  • Mit der Problemanalyse (z.B. Ishikawa-Diagramm) die wahren Probleme erkennen.
  • Mit Vorgehensmodellen (z.B. Systems Engineering Modell) das Vorgehen planen.
  • Mit Konstruktion, das heisst induktivem Vorgehen vom Konkreten zum Abstrakten gelangen.
  • Mit Analyse (in Elemente zerlegen) und Synthese (zusammensetzen von Elementen in einem System) Prozesse analysieren und optimieren.

 

Zusammen mit einer gesunden Portion Skepsis hat die Methode von René Descartes nichts von ihrer Aktualität eingebüsst. Es ist zwar nicht erwiesen, dass frühere Projektleiter die philosophische Methode von René Descartes anwendeten, aber es war Wissen, das seit 1637 zur Verfügung stand.

 

Literaturhinweise:

Fischer, Kuno (Hg.) (1868): Geschichte der neueren Philosophie. Descartes und seine Schule. 2. völlig umgearbeitete Auflage. 8 Bände. Heidelberg: Verlagsbuchhandlung von Friedrich Bassermann (1).

Magee, Bryan; Leineweber, Bernd; Mischer, Sibille (2007): Geschichte der Philosophie. München: Dorling Kindersley.

Descartes, René (2004): Discours de la méthode. Discours de la méthode pour bien conduire sa raison, et chercher la vérité dans les sciences. The Project Gutenberg EBook (13846). Online verfügbar unter https://www.gutenberg.org/files/13846/13846-h/13846-h.htm, zuletzt aktualisiert am 14.08.2006, zuletzt geprüft am 28.12.2016.